King of the Lake aus der Sicht eines Zeitfahrneulings (Günther Schmidt)

Obwohl ich eigentlich ein begeisterter Hobbyradmarathonfahrer bin und bisher noch keine Erfahrung im Zeitfahren besaß, wollte ich schon immer beim legendären „King of the Lake“ Einzelzeitfahren rund um den Attersee mitmachen. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass ich 2021 einen Startplatz für die Rennradkategorie (d.h. ohne Zeitfahrlenker und Scheibe) ergattern konnte.

Bei der Kontrolle der Ergebnislisten von 2020 wurde mir sehr schnell bewusst, wie knapp die Ergebniszeiten beieinander liegen und dass hier im Gegensatz zu Radmarathons (mit weit über 100 km und jenseits der 1000 hm und dementsprechend langer Renndauer) de facto jede einzelne Minute für eine halbwegs gute Platzierung zählt. Ich musste mich also möglichst schnell an eine maximale Leistung herantasten, die ich im schlimmsten Fall über 1,5 Stunden aufrecht erhalten konnte. Da ich nach berufsbedingter eineinhalbjähriger Trainingspause erst ab März wieder langsam beginnen konnte, meine Grundlagenausdauer aufzubauen, blieben mir schlussendlich nur wenige Wochen für das Ausloten der geeignetsten Leistung. So eilte Woche um Woche dahin und der 18. September war schneller da, als mir lieb war.

Die Anreise zum Bewerb verlief problemlos, wenn auch die Beschilderung vor Ort (Weg von der Autobahnausfahrt zum offiziellen Parkplatz, Weg vom Parkplatz zur Ausgabe des Startpakets) aus Sicht eines Erststarters etwas besser sein könnte. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, da die Veranstaltung an sich wirklich sehr gut organisiert ist. Beeindruckt war ich, dass beim Start wirklich jeder Starter und jede Starterin kurz persönlich vorgestellt wurde. Dies ist eine Leistung bei so vielen TeilnehmerInnen. Ungewohnt ist es jedenfalls, dass man beim Start während des Countdowns bereits mit beiden Schuhen in den Pedalen eingeklickt am Podest steht und nur von einem Helfer gehalten wird. Ein komisches Gefühl … Die Startrampe ist übrigens viel niedriger, als man aufgrund der bekannten Fotos vermuten würde.

Der Start selbst war ein beeindruckender Moment. Dies lässt sich überhaupt nicht mit dem klassischen Massenstart bei einem Radmarathon vergleichen. Da man immer wieder hört, wie wichtig es ist, im ersten Teil bloß nicht zu viel Kraft zu verschwenden, hielt ich mich von Anfang an bewusst zurück. Das Ergebnis war ein „halbwegs gemütlicher“ 37er-Schnitt in der ersten halben Stunde. Bedingt durch das Höhenprofil in der zweiten Hälfte und mein Körpergewicht, das nicht zuletzt aufgrund der langen Trainingspause noch meilenweit von meinem Wettkampfgewicht von 2019 entfernt war, sank der Schnitt aber in weiterer Folge mehr als mir lieb war. Es lag jedoch sicherlich nicht am Applaus und den Motivationsrufen der Zuseher am Straßenrand. Die Stimmung ist nämlich (auch auf der Rennstrecke) wirklich toll. Sehr gefreut habe ich mich auch, als während des Rennens ein mir unbekannter Zeitfahrer an mir vorbei fuhr, seinen Daumen nach oben streckte und rief: „CTT super!“. Dies bestätigt einfach auch wieder einmal den Stellenwert unseres Vereins in der Amateurradsportszene.

Wissend, dass für mich noch eine Steigerung möglich ist, finde ich den 37. Platz in meiner Altersklasse (mit einer Zeit von 1:21 h) für den ersten Antritt grundsätzlich okay und freue mich auf einen Antritt beim King of the Lake 2022.

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